10. September 2026 · SEO & Sichtbarkeit
Search Console: KI-Bericht jetzt für jede Website
Bis vor Kurzem war die wichtigste Frage im Online-Marketing eine, auf die niemand eine belastbare Antwort hatte: Taucht mein Unternehmen eigentlich in den KI-Antworten von Google auf? Ahnen konnte man es — an sinkenden Klickzahlen bei unveränderten Rankings, an Anfragen, die mit “das hat mir die KI empfohlen” beginnen. Zahlen gab es keine.
Seit dem 31. August 2026 gibt es sie. Google hat den “Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen” in der Search Console weltweit für alle Websites freigeschaltet; deutsche Konten hatten ihn teilweise schon im Sommer schrittweise erhalten. Damit lässt sich KI-Sichtbarkeit erstmals mit Googles eigenen Daten messen statt schätzen. Der Bericht hat allerdings eine Lücke, die man kennen sollte, bevor man Schlüsse daraus zieht — und er kommt in Begleitung eines zweiten Schalters, den die meisten Unternehmen besser nicht anfassen.
Was der neue Bericht tatsächlich zeigt
Sie finden ihn in der Search Console im Bereich “Leistung” als eigenen Eintrag neben dem gewohnten Bericht zur Google-Suche. Erfasst werden drei Oberflächen:
- AI Overviews — die KI-Zusammenfassung oberhalb der klassischen Trefferliste
- AI Mode — der eigenständige KI-Modus der Google-Suche
- generative Funktionen in Google Discover
Die zentrale Kennzahl ist die Impression: wie oft ein Link auf Ihre Website in einer dieser KI-Funktionen ausgespielt wurde. Aufschlüsseln lässt sich das nach Seiten, Ländern, Geräten und Zeitraum. Damit sehen Sie zum ersten Mal schwarz auf weiß, welche Ihrer Unterseiten Googles KI überhaupt als zitierfähig einstuft.
In der Praxis ist das selten die Seite, die man erwartet. Bei mittelständischen Websites sind es fast nie die Leistungs- oder Produktseiten, sondern Ratgeberinhalte, FAQ-Abschnitte und Seiten, die eine konkrete Frage konkret beantworten. Genau das ist die nützlichste Information des Berichts: Er zeigt, welche Art von Inhalt in Ihrer Branche in KI-Antworten landet.
Die Zahlen stehen für sich und sind nicht mit den Impressionen der klassischen Trefferliste zu verwechseln. Wenn Sie den Bericht in Ihrer Property gar nicht sehen, liegt das in der Regel schlicht daran, dass zu wenige Daten vorliegen.
Was der Bericht nicht zeigt — und warum das entscheidend ist
Hier liegt der Haken. Der Bericht enthält bis heute:
- keine Klicks und keine Klickrate
- keine Suchanfragen und keine Prompts
- keinen Zugang über die Search-Console-API — exportieren lässt sich nur von Hand
Er beantwortet also die Frage “Werde ich in KI-Antworten überhaupt gezeigt?” — nicht die Frage “Bringt mir das etwas?”. Google hat angekündigt, weitere Metriken nachzuliefern, hat dafür aber keinen Termin genannt.
Für die Bewertung heißt das: Behandeln Sie die Zahlen als Sichtbarkeitsindikator, nicht als Erfolgskennzahl. Steigende KI-Impressionen bei gleichbleibenden Anfragen sind kein Widerspruch, sondern der Normalfall. KI-Antworten beantworten viele Fragen abschließend, ohne dass jemand klickt — die Sichtbarkeit wirkt dann als Markenkontakt, nicht als Besuch. Wer den Bericht wie einen Traffic-Report liest, zieht zwangsläufig falsche Schlüsse.
Drei Auswertungen, die sich sofort lohnen
1. Baseline sichern. Die Search Console hält Daten nur begrenzt lange vor, und ein API-Export existiert nicht. Exportieren Sie deshalb jetzt einmal den vollständigen verfügbaren Zeitraum als Tabelle und legen Sie ihn ab. In sechs Monaten ist dieser Stand Ihr einziger Vergleichspunkt.
2. Seitentypen gegeneinanderstellen. Sortieren Sie die Seiten nach KI-Impressionen und markieren Sie, um welchen Inhaltstyp es sich handelt: Ratgeber, Leistungsseite, Referenz, Blogbeitrag. Das Muster, das dabei entsteht, ist Ihre Content-Strategie für die nächsten Monate — es sagt Ihnen, welche Inhalte Sie ausbauen sollten und welche im KI-Layer schlicht nicht stattfinden.
3. Zeitverlauf gegen Ihre eigenen Änderungen legen. Tragen Sie ein, wann Sie Inhalte überarbeitet, strukturierte Daten ergänzt oder Seiten zusammengeführt haben. So erkennen Sie, ob eine Maßnahme in der KI-Sichtbarkeit ankommt — und trennen sie von allgemeinen Schwankungen, etwa nach dem Spam-Update im August.
Ergänzend hilft ein Blick in Ihre Web-Analyse: Steigen Direktzugriffe und Suchen nach Ihrem Firmennamen, während die KI-Impressionen zunehmen, ist das der stärkste verfügbare Hinweis darauf, dass Ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten tatsächlich wirkt.
Der zweite neue Schalter: das Opt-out aus KI-Funktionen
Zusammen mit dem Bericht ist eine Einstellung in den deutschen Konten aufgetaucht, mit der Sie Ihre Domain aus den generativen KI-Funktionen der Google-Suche herausnehmen können. Sie ist ursprünglich auf Druck der britischen Wettbewerbsbehörde CMA entstanden. Vier Punkte dazu:
- Wer sie aktiviert, erscheint nicht mehr in AI Overviews, AI Mode und den KI-Funktionen in Discover — die normalen Suchergebnisse und der Discover-Feed bleiben davon unberührt.
- Sie wirkt auf Domain-Ebene; eine seitengenaue Steuerung hat Google für März 2027 angekündigt.
- Sie gilt nicht für die Gemini-App.
- Das Training von Modellen wird davon nicht geregelt, dafür ist weiterhin
Google-Extendedin der robots.txt zuständig.
Für Verlage mit Bezahlinhalten kann dieser Schalter sinnvoll sein. Für ein mittelständisches Unternehmen aus der Region Hannover ist er in aller Regel die falsche Entscheidung: Sie geben Sichtbarkeit ab, ohne dafür an anderer Stelle besser zu ranken. Wenn eine potenzielle Kundin Google fragt, wer in der Nähe eine Dachsanierung übernimmt, wollen Sie in dieser Antwort vorkommen — nicht auf einem Prinzip beharren.
Was Sie in den nächsten Wochen konkret tun sollten
- Bericht öffnen und Baseline exportieren. Zehn Minuten Aufwand, einmalig.
- Die zehn Seiten mit den meisten KI-Impressionen prüfen. Sind Angaben, Preise und Ansprechpartner dort aktuell? Diese Seiten repräsentieren Ihr Unternehmen künftig in KI-Antworten.
- Antworten nach vorne holen. KI-Systeme zitieren Abschnitte, die eine Frage in wenigen Sätzen abschließend beantworten. Eine klare Zwischenüberschrift plus direkte Antwort schlägt drei Absätze Hinführung.
- Fakten überprüfbar machen. Zahlen, Datumsangaben, Zuständigkeitsgebiete, strukturierte Daten und ein sauberes Impressum — daraus ziehen Modelle die Sicherheit, Sie überhaupt zu nennen.
- Das Opt-out nicht anfassen, solange es keinen konkreten geschäftlichen Grund dafür gibt.
Fazit: Messen Sie jetzt, bevor Sie optimieren
Der neue Bericht macht aus einem Bauchgefühl eine Zahl. Das ist weniger, als sich viele erhofft hatten — ohne Klicks und ohne Suchanfragen bleibt er unvollständig — und trotzdem deutlich mehr als der Blindflug der letzten zwei Jahre. Entscheidend ist, was Sie in den nächsten Wochen damit anfangen: Wer heute eine Baseline sichert, kann in sechs Monaten belegen, ob seine Inhalte im KI-Layer gewinnen oder verlieren. Wer wartet, hat auch dann wieder nur eine Momentaufnahme.
Kurzfristig ist das eine Fleißaufgabe. Mittelfristig ist es die Grundlage für Generative Engine Optimization: Inhalte so aufzubauen, dass KI-Systeme sie verstehen, einordnen und empfehlen können. Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr Unternehmen in KI-Antworten derzeit dasteht und welche Inhalte dafür fehlen, schauen wir uns Ihre Zahlen gemeinsam an — mehr dazu bei unserer GEO-Analyse.