28. September 2026 · SEO & Sichtbarkeit
Google Lens: Search Console zeigt die Foto-Suchen
Ein Monteur steht vor einer defekten Umwälzpumpe, hält das Handy davor und tippt auf die Lens-Schaltfläche. Eine Kundin fotografiert im Baumarkt eine Packung Fliesenkleber, weil sie wissen will, ob es die günstiger gibt. Ein Autofahrer kreist auf dem Android-Display ein Werkstattschild ein. In allen drei Fällen hat niemand ein Wort getippt — und in allen drei Fällen kann am Ende ein Besuch auf Ihrer Website stehen.
Diese Besuche gab es längst. Sichtbar waren sie nicht. In der Google Search Console liefen sie unsortiert im großen Topf “Web” mit, ohne dass jemand sie von der klassischen Texteingabe hätte trennen können. Genau das hat Google am 24. September 2026 geändert: Der Suchtyp “Web” ist jetzt zweigeteilt.
Was Google freigeschaltet hat
Im Leistungsbericht der Search Console finden Sie unter Leistung → Suchergebnisse → Suchtyp neben den bekannten Einträgen Bild, Video und News nun eine Aufspaltung von “Web” in einen textbasierten und einen multimodalen Zweig. Googles eigene Definition ist knapp: Als multimodal zählt ein Suchergebnis, das durch eine Anfrage mit einem Bild, Foto oder Screenshot ausgelöst wurde. Reine Texteingaben bleiben im textbasierten Zweig.
Konkret fließen in den multimodalen Bericht vier Wege ein:
- Google Lens — die Kamerasuche in der Google-App und auf Android,
- Circle to Search — das Einkreisen von Bildinhalten direkt auf dem Android-Display,
- hochgeladene Bilder in der Google-Suche,
- Chromes “Mit Google nach Bild suchen” über das Kontextmenü im Browser.
Die Auswertung selbst funktioniert wie gewohnt: Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position, aufschlüsselbar nach Seiten, Ländern, Geräten und Datum. Auch im Generative-AI-Bericht greift der Filter — dort sehen Sie Impressionen aus AI Overviews und dem AI Mode, die aus einer Bildanfrage entstanden sind. Wer mit der Search-Analytics-API arbeitet, wartet allerdings noch: Einen eigenen Wert für den multimodalen Suchtyp führt die API bislang nicht, der Weg geht vorerst über den Export-Button im Bericht.
Ein Hinweis zur Datenhistorie, damit Sie nicht vergeblich scrollen: In ersten Konten reichen die Werte bis zum 10. September zurück. Einen offiziellen, für alle Properties gleichen Startpunkt hat Google nicht genannt. Rechnen Sie also mit wenigen Wochen Vergleichszeitraum, nicht mit Jahren.
Warum die Spalte “Suchanfragen” leer bleibt
Eine Einschränkung sollten Sie kennen, bevor Sie den Filter setzen: Die Dimension Suchanfragen ist für multimodale Zugriffe nicht verfügbar. Das ist keine Schlamperei, sondern eine logische Folge — es gab keine Suchanfrage im Sinne eines Textes. Google müsste Ihnen sonst beschreiben, was auf dem Foto zu sehen war.
Für die Praxis heißt das: Sie erfahren wie viel und wo, aber nicht was. Die Frage “mit welchem Begriff wurden wir gefunden?” lässt sich hier nicht beantworten. Die Frage “welche unserer Seiten beantwortet Kamerasuchen?” sehr wohl — und die ist für die Praxis oft die nützlichere. Denn sie zeigt, welche Bilder auf welchen Seiten Google für gut genug hält, um sie als Antwort auf ein Kamerabild auszuspielen.
Für wen sich der Blick wirklich lohnt
Seien wir realistisch: Ein reiner Dienstleister mit fünf Textseiten wird im multimodalen Bericht kaum etwas finden. Deutlich aussagekräftiger wird es, wenn Ihr Geschäft an Dingen hängt, die Menschen vor die Kamera halten:
- Handel und Handwerk mit Teilen und Materialien — Ersatzteile, Armaturen, Beschläge, Profile, Werkstoffe. Genau hier sucht der Mensch mit der Kamera, weil er den Namen des Teils nicht kennt.
- Produkte mit Verpackung — Lebensmittel, Kosmetik, Lacke, Pflanzenschutz. Das Etikett ist die Suchanfrage.
- Pflanzen, Tiere, Schäden — Gartenbau, Baumpflege, Schädlingsbekämpfung, Sanierung. Lens ist für viele der erste Reflex bei “was ist das und wer hilft?”.
- Alles Sichtbare mit Wiedererkennungswert — Möbel, Mode, Fliesen, Fassaden, Schilder, Speisekarten.
Die Größenordnung dahinter ist nicht klein: Google nannte im Oktober 2024 knapp 20 Milliarden visuelle Suchen pro Monat über Lens, rund ein Fünftel davon mit Kaufabsicht. Diese Zahl ist zwei Jahre alt und war schon damals kein Nebenkanal. Bisher ließ sie sich für die eigene Website nur ahnen.
Was Sie tun, wenn der Bericht fast leer ist
Null Impressionen im multimodalen Zweig sind eine Aussage, nicht ein Fehler. Sie bedeuten in den meisten Fällen: Auf Ihrer Website gibt es nichts, was Google mit einem Kamerabild abgleichen könnte. Vier Ansatzpunkte, die dabei tatsächlich etwas verändern:
- Echte Bilder statt Stock-Material. Ein gekauftes Symbolfoto einer beliebigen Heizungsanlage hilft niemandem, der seine Anlage fotografiert. Eigene Aufnahmen Ihrer Produkte, Teile, Arbeiten und Räume sind die Grundlage — freigestellt, scharf, aus mehreren Winkeln.
- Nicht zu stark komprimieren. WebP und AVIF sind richtig, und Ladezeit bleibt wichtig. Aber wenn die Typenschild-Beschriftung im Bild nicht mehr lesbar ist, ist der Abgleich verloren. Prüfen Sie Ihre Bilder bei 100 Prozent Zoom, nicht nur im Layout.
- Kontext um das Bild legen. Aussagekräftige Dateinamen, beschreibende Alt-Texte, Bildunterschriften und Fließtext, der das Abgebildete benennt — inklusive Hersteller-, Typ- und Maßangaben. Ergänzend strukturierte Daten (
Product,LocalBusiness) mit gefülltemimage-Feld. - Bilder crawlbar halten. Per JavaScript nachgeladene Galerien, per
robots.txtgesperrte Medienverzeichnisse oder Bilder, die nur als CSS-Hintergrund existieren, kommen in keinem Index an. Das ist der häufigste Grund, warum gute Fotos wirkungslos bleiben.
Und dann der zweite Teil, der leicht übersehen wird: Eine Foto-Suche endet auf einer Seite, die sofort liefern muss. Wer ein Ersatzteil erkennt und auf einer Kategorieseite ohne Preis, Verfügbarkeit und Kontaktmöglichkeit landet, springt ab. Die Landeseite entscheidet, ob aus der Erkennung eine Anfrage wird.
Fazit: Erst messen, dann entscheiden
Die neue Aufteilung liefert keine Handlungsanweisung, sondern eine Zahl, die vorher fehlte. Und die ist die Voraussetzung für eine nüchterne Entscheidung: Ist Visual Search für Ihr Unternehmen ein echter Kanal — oder eine Randnotiz, in die kein Budget fließen sollte?
Der erste Schritt kostet fünf Minuten: Search Console öffnen, Zeitraum auf die letzten 28 Tage, Suchtyp auf multimodal, und in der Ansicht Seiten nachsehen, welche URLs überhaupt auftauchen. Notieren Sie sich den Wert und wiederholen Sie das in vier Wochen. Sie werden zwei Dinge sehen: eine Größenordnung und eine Richtung. Erst dann lohnt es sich, in Bildqualität, Alt-Texte und strukturierte Daten zu investieren — gezielt dort, wo der Bericht Bewegung zeigt.
Wenn Sie beim Blick in den Bericht nicht sicher sind, ob die Zahlen für Ihre Branche gut oder schwach sind — oder wenn die betreffenden Seiten technisch gar nicht mitspielen: Genau diese Auswertung und die Arbeit an der Bildbasis gehören zu unserer Marketing- und SEO-Betreuung für Unternehmen aus Hannover und Umgebung.